Farben treten als Formen auf. Diese Formen schweben im jeweiligen Blau. Die leichten Einwölbungen der oberen Umrisslinien verstärken den schwebenden Eindruck. Diese Formen behaupten eine Eigenheit wie ein Gefühl oder ein Gedanke sich selbst behauptet.
Das Magentarot und das Grün bilden jetzt gleich mittig Kontinuität und Lebendigkeit über das Bild hinaus weisend: Unendlichkeit. Ebenso erscheint das Blau wie ein tragender Weltengrund.
Das Bild zeigt sich nun in einer kosmischen Weise. Die schwebenden Formen sind wie Sonnen oder Gestirne am Himmel. Keine irdische Perspektive oder Standpunkt wird hier Bild; die Parallelität der Mitte trägt das Bild aus sich heraus mit unendlichen Armen.
Vor allem in ihrer horizontalen Erstreckung sind es nur noch die Farben, die sich aussprechen. Die Formen sind entschwunden. Das Weiß scheint überall auf.
Durch die grünen Abschlüsse links und rechts wird das Bild ganz übersichtlich. Es scheint eine anklingende wagrechte Symmetrie zu bilden; diese konfrontiert sich aber mit dem unteren Weiß und dem Übergang von Blau nach Grün. Auch das untere Gelb konfrontiert sich mit dem oberen Weiß.
Diese Asymmetrien zeigen eine senkrechte Dynamik, die auch in den unterschiedlichen Farbwerten einer Farbe erlebt werden kann.
Das Magentarot bildet die Mitte. Sie zieht sich durch das Bild und ist wie das Grün ein ruhender Pol.
Die Empfindungsstärke jeder Farbe ist Ausdruck der Eva von Autun. Die innere Kontinuität finden wir im Magentarot, das Zusammentreffen von Hand und Apfel in beiden Rot und Gelb. Das Weiß, Blau und Grün verwebt diese Eva mit der Lebendigkeit der Welt.
Die pflanzenähnlichen Wachstumsformen, die von unten nach oben sich schlängeln queren eine horizontale Wellen oder Fließbewegung. Diese wagrechte Bewegung staut sich auf der linken Seite. Hier befindet sich das Haupt der „schwimmenden“ Eva. Mit ihrer linken hand greift sie nach einer apfelähnlichen Frucht. Sie scheint ihr geradezu zuzuwachsen. Die ganze Bewegungsgestalt der Eva ist in die Vegetation wie ein Flechtband eingeformt.
Das Weiß bildet wesentlich den Leib der Eva mit; auch die Pflanzen erhalten durch es Eigenraum; ansonsten ist es in der Tiefe und Nähe alles verbindend.
Das Magentarot tritt vor allem linienhaft in Erscheinung. Und zeichnet mit großer Innerlichkeit Form und Bewegung nach und vor. Die Vegetation strotzt vor Grün. Das Blau spielt zwischen Innen und außen.
Alle Farben bis auf das grün kommen doppelt vor.
Das große Rätsel ist die schwimmende Eva und der biblische Bezug zum Apfel und Sündenfall scheint offensichtlich.
Die sich kreuzenden Bewegungen, eingebettet in eine vegetative Welt, stimulieren den Eindruck des Paradieses in seiner empfindungsreichen Lebendigkeit.


